Spezialtrocknung bei wertvoller Deckenmalerei
2015-04-01 12:04
von Administrator

Spezialtrocknung bei wertvoller Deckenmalerei

Trocknung der Niedernburger Fresken über mehrere Monate

Im vergangenen Jahr führte das Ingenieurbüro Tobias Ritzer ab April für etwa zehn Monate eine Trocknungsmaßnahme in der Gisela Realschule der Diözese Passau durch. Infolge eines Leitungswasserschadens waren auch die historisch wertvollen, so genannten Niedernburger Fresken betroffen. Durch den neuerlichen Wasserschaden und bereits infolge des jüngsten Hochwasser 2013 kam es zu erheblichen Schäden an der etwa 800 Jahre alten Deckenmalerei.

Die Behebung des Schadens erforderte einen Balanceakt zwischen einer ausreichend effektiven Trocknung zur Vermeidung eines mikrobiellen Befalls und einer möglichst langsamen und somit schonenden Austrocknung des Deckengewölbes.

Die Niedernburger Fresken entstanden etwa im Jahr 1200. Auch wenn es sich dem Namen nach zunächst vermuten lässt, handelt es sich nicht um ein Fresko, sondern um eine Malerei im Secco Stil. Das bedeutet, dass die Zeichnungen auf trockenes Mauerwerk aufgetragen wurden und nicht wie bei einem Fresko auf den feuchten, frischen Kalkputz. Die Niedernburger Fresken gehören zu den wertvollsten Wandmalereien Deutschlands aus romanischer Zeit.


Bild 1: Blick auf das ehem. Marienkloster, heute Gisela Realschule

Die fachgerechte Behebung des Leitungswasserschadens hatte höchste Priorität. Während der Durchführung sämtlicher Maßnahmen standen wir in Kontakt zu der Restauratorin Frau Porst, Porst & Zenger Diplom-Restauratoren GbR, und zu Herrn Wiesen, Mitarbeiter am Institut für Gebäudeanalyse und Sanierungsplanung München GmbH.

Der Leitungswasserschaden Anfang 2014 wurde durch einen Rohrbruch in der Zwischendecke oberhalb des Gewölbes verursacht. Die technische Trocknungsmaßnahme musste somit zwingend von oben durchgeführt werden, um zu vermeiden, dass die in den Bauteilen gebundene Feuchtigkeit durch das Gewölbe und somit durch die Deckenmalerei gezogen wird.


Bild 2: Niedernburger Fresken, entstanden etwa 1200 n. Chr.    

Die Feuchtigkeit zieht sich stets nach der Seite, wo die angrenzende Luft eine schnelle Verdunstung ermöglicht. Dabei wird die Richtung mit einer niedrigen relativen Luftfeuchte bevorzugt.

Ziel war es, im Gewölbe eine relative Luftfeuchtigkeit von über 60% beizubehalten. Bei geringeren Luftfeuchtewerten neigen bauschädliche Salze, in erster Linie Sulfate und Chloride, in den malereitragenden Schichten zur Auskristallisation, auch Kristallisationsdruck genannt.

Kristallationsdruck bezeichnet den Druck, der durch Volumenvergrößerung beim Übergang des Salzes in wasserreichere Phasen entsteht. Aus dem zyklischen Auftreten des Kristallisationsdrucks resultiert eine Schwächung der Korn-Korn-Bindungen und damit des Gesteinsgefüges. Das wiederum führt zu massiven Schäden an den Fresken.


Bild 3: Salzausblühungen am Kalkputz der Gewölbedecke    

Durch eine kontrollierte Lüftung, die zu einem über eine festinstallierte Messstation und zusätzlich über Datenlogger zur Langzeit-Temperatur- und -Luftfeuchtemessung des Ingenieurbüros Tobias Ritzer überwacht wurde, wurde dieser Prozess der Auskristallisation weitestgehend vermieden. Zur Klimastabilisierung wird durchgehend eine kontrollierte Lüftung durchgeführt.

Da das Deckengewölbe zu Vermeidung von Schäden sehr langsam und schonend getrocknet werden sollte, verfügten die Trocknungsgeräte über einen Temperaturschalter. Sofern dieser gefährdende Temperaturen aufzeichnete, gingen die Geräte automatisch außer betrieb.

Über die regelmäßige Entnahme und Untersuchung von Luftproben sollte zudem der Versuch unternommen werden, mikrobiellen Befall zu unterbinden.


Bild 4: Datenlogger zur Langzeitaufzeichnung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit    

Da der feuchte Kalkputz aus oben genanntem Grund nicht von dem Gewölberaum selbst aus getrocknet werden konnte, zeigte sich nach etwa vier Monaten oberflächlich ein Befall mit Schimmelpilzen. Dieser Schimmelpilzbefall wurde durch Absaugen und Behandeln der Oberflächen fachgerecht beseitigt. Um eine weitere Kontamination des Bereichs zu vermeiden, wurde ein so genannter Schwarz-Weiß Bereich eingerichtet. Wesentlicher Aspekt eines Schwarz-Weiß-Systems ist die strenge Trennung von schmutzigen, schadstoffhaltigen oder verkeimten sprich schwarzen Stoffen oder Gegenständen von dem sauberen also weißen Bereich. Über den Einsatz von Luftreiniger wurde der Raum hygienisch wiederhergestellt.

In der Vorhalle zu den Niedernburger Fresken zeigten sich an dem Natursteinboden Veränderungen durch Feuchtigkeit. Dieser Schaden rührte wahrscheinlich noch von dem Hochwasser im Sommer 2013 her. Zur Trocknung wurde der Boden mittels Folie abgedichtet und der Naturstein über Luftentfeuchter getrocknet. Durch das Absaugen der Feuchtigkeit erlangt der Natursteinboden seine ursprüngliche Färbung zurück.

Nach einem Zeitraum von etwa 10 Monaten konnte das Projekt Trocknungsmaßnahme erfolgreich abgeschlossen werden. Derzeit führt die Restaurateurin Frau Porst weitere Arbeiten zur Wiederherstellung und Erhaltung der Fresken durch. Als Fachfirma für Gebäudetrocknung und -sanierung freut es uns im Besonderen, bei diesem auch für uns außergewöhnlichem Schaden einen Teil zur Bewahrung der wertvollen Fresken beigetragen zu haben.

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